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Press about Auriga

Dec 10, 2003

Russische IT-Firmen nehmen Kurs auf deutschen Markt

Moskauer Deutsche Zeitung,
Dana Ritzmann

Anscheinend bestraft nicht jeden, der zu spät kommt, gleich das Leben. Denn während die indischen Informatiker, die Kanzler Schröder per Greencard während des New-Economy-Booms nach Deutschland berief, jetzt arbeitslos am Computer sitzen, sind russische IT-Spezialisten gerade auf dem Sprung. Mit komplexen Lösungsstrategien und massivem Marketing versuchen sie besonders die Mittelständler zur Kooperation zu bewegen.

Deutschland ist der vielzitierte Investor Nr. 1 in Russland, Kooperationen mit einheimischen Firmen funktionieren seit vielen Jahren – nur in die IT-Branche stecken die Deutschen bisher kein Geld. Warum das so ist – für Alexej Sucharew ist es ein Rätsel. Der Mathematik- und Informatikexperte, der 1990 seine MGU-Professur an den Nagel hängte und stattdessen mit der Software-Schmiede Auriga ins Computer-Business einstieg, kennt das Geschäft. Seit mehr als zehn Jahren lässt er im Auftrag so namhafter amerikanischer Kunden wie Hewlett-Packard und IBM programmieren. Deutsche Firmen, so Sucharew, täten sich besonders schwer damit, neue Ideen umzusetzen, so auch im Bereich Outsourcing – doch noch sei es nicht zu spät, wenn man jetzt beginne zu handeln.

In Zeiten sinkender IT-Budgets und erhöhten Kostendrucks seien auch die konservativen und besonders stark auf Eigenentwicklung fixierten deutschen Unternehmen gezwungen, sich nach günstigen Alternativen umzusehen, glaubt man in der Branche. Von Vorteil sei dabei besonders die kulturelle und geographische Nähe zwischen Russland und Deutschland, glaubt Sucharew. Außerdem betont er, könnten sich Russen besser in ihre Kunden hineinversetzen und komplexere Probleme lösen als die internationale Konkurrenz. Die besteht hauptsächlich aus indischen IT-Firmen. Im Vergleich zu Indien ist Russland auf dem Software-Outsourcing-Markt auch ein kleines Licht: Einem Umsatz aller indischen Firmen von schätzungsweise fast acht Milliarden US-Dollar standen im vergangenen Jahr bloß rund 300 Millionen Dollar in Russland gegenüber. Russische IT-Unternehmen sind zwar billiger als ihre westlichen Pendants, aber – und das ist die Benchmark im Software Offshore-Geschäft – um einiges teurer als die indische Konkurrenz und zudem noch weit weniger bekannt auf dem deutschen Markt.

Um den zweiten Nachteil zu mindern machten sich im Herbst dieses Jahres zum ersten Mal ungefähr ein Dutzend russischer Softwareexporteure auf den Weg nach Deutschland, um sich dort den potentiellen Kunden zu präsentieren. Die sogenannte "IT-Season", organisiert vom russischen IT-Branchenverband Russoft und der deutschen Organisation für Telekommunikation und Neue Medien "Bitkom", machte in Hamburg, Berlin und München Station und war, so Alexej Rybakow, Auriga-Direktor für Geschäftsentwicklung in Europa, durchaus ein Erfolg. Man habe gesehen, dass es in Deutschland viel einfacher sei, mit großen Firmen in Kontakt zu kommen, weil die im Umgang mit internationalen Partnern Erfahrung hätten und für Kooperationen und Outsourcing offen seien. Mit kleinen und mittelständischen Firmen hingegen sei es ausgesprochen schwierig Kontakte zu knüpfen, so Rybakow. Obwohl sich die Geschäftspraktiken der Deutschen und Russen sehr ähnelten – Kontakte basierten hier wie dort überwiegend auf Empfehlungen – stelle die Sprache eine große Barriere dar. Als Konsequenz plant Auriga jetzt eine eigene Niederlassung in Deutschland. "Die Deutschen brauchen jemanden, mit dem sie Deutsch sprechen können, der sie versteht und sie wollen eine deutsche Telefonnummer wählen", sagt Alexej Sucharew, der selbst in den USA sitzt und von dort aus Auriga managt, während die etwa 110 Programmierer in einem Nebengebäude der Moskauer Lomonossow-Universität tüfteln. Nach wie vor werden die meisten Spezialisten direkt aus den Hörsälen rekrutiert. "Das wichtigste ist unser Streben nach herausragenden Leistungen", betont Sucharew, ganz Akademiker.

Und auch die Software-Firma Luxoft betont, sie habe die besten Programmierer aus ganz Russland, die nicht nur hervorragend ausgebildet seien, sondern auch kreativ, so Dmitri Loschinin, Geschäftsführer von Luxoft. "Wir sind nicht billiger, aber besser." Ebenso wie Auriga plant die 1999 gegründete Firma-Luxoft im kommenden Jahr ein Büro in Frankfurt zu eröffnen, um näher an den potentiellen deutschen Kunden zu sein. Bisher hat man neben zahlreichen internationalen Firmen wie Boeing und Dell auch die Deutsche Bank unter Vertrag. Doch in Deutschland Fuß zu fassen sei nicht einfach. "Schauen wir den Tatsachen ins Gesicht", so die Amerikanerin Esther Dyson, Vorstandsmitglied der IBS, "russische Firmen haben einen schlechten Ruf". Deshalb sei es noch immer so schwer für ausländische Firmen zuzugeben, dass sie an Firmen in Moskau, St. Petersburg oder Nowosibirsk outsourcen. Genau da liegt offenbar auch das Problem in Deutschland.

Immerhin 33 bis 37 Millionen Dollar Umsatz machten russische Softwarefirmen im vergangenen Jahr mit deutschen Kunden. Der Softwarekonzern SAP lässt zum Beispiel aus Russland zuliefern, Epam heißt das Unternehmen, das am xApps-Programm der Waldorfer mitarbeitet. Epam ist ebenso wie Auriga offiziell keine russische Firma und auch bei Luxoft ist das Managment amerikanisch. Hierfür liefert Auriga-Chef Sucharew eine plausible Erklärung: Westliche Unternehmen wollten sich beim Auslagern von IT-Aufgaben rechtlich nicht auf sibirisches Glatteis begeben.

Doch nicht nur im internationalen Geschäft hat die russische IT-Branche, die in den letzten vier Jahren um etwa zehn Prozent jährlich gewachsen ist, zu kämpfen. Auch zu Hause haben die Computerbosse Ärger. So beklagt Auriga-Präsident Sucharew, dass Russlands Regierung die IT-Branche in keinster Weise unterstütze. "Im Vergleich zu Indien macht Russland überhaupt nicht", so Sucharew. "Das ist absolut lächerlich." Und auch Luxoft-Geschäftsführer Dmitri Loschinin stimmt in diesen Chor ein: "Guckt nur, was die Inder und die Chinesen machen, warum können wir das nicht", so Loschinin. "Warum ist unsere Regierung so ignorant?"

Laut Experten basiert der Erfolg der asiatischen IT-Branche hauptsächlich auf Regierungsinitiativen, wie Steuervorteile und Anschubfinanzierungen. In Russland, so Sucharew, sei das größte Problem, das niemand richtig zuständig sei. Die Regierungsbeamten würden um die Posten schachern und für die Computer-Industrie springt dabei gar nichts heraus.


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